Wettbewerbsdruck – KLUB DIALOG

Wettbewerbsdruck

Interview mit Karsten Armgardt

Karsten Armgardt liebt es, an der Entstehung von physisch „Begreifbarem“ mitzuwirken. Als Geschäftsführer von Stürken Print Productions hat er viel Gelegenheit dazu. Gerade organisiert er einen Druckwettbewerb mit und findet, dass die Zukunft seiner Branche schon angefangen hat. Warum? Das erzählt er im Interview.    

Ihr veranstaltet ja in diesem Jahr zusammen mit dem Kommunikationsverband nach längerer Zeit wieder einmal den „Battle of Print“. Wer misst sich dabei mit wem – und warum?

Der Battle of Print ist ein vom Kommunikationsverband Bremen ausgeschriebener Gestaltungswettbewerb mit wechselnden Themen. In diesem Jahr ist er Teil der GRAPHIC NOVEL-Ausstellung im Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen. Wir laden Gestalter*innen, Grafik-Designer*innen und Illustratoren*innen ein, sich mit einem Entwurf am Gestaltungswettbewerb 2020 zu beteiligen. Gesucht werden die besten Designs für ein Graphic-Novel-Cover.

 

Foto: Annekathrin Gut

Woher kam die Idee zum diesjährigen Thema?

In den vergangenen Battles hatten wir zum Beispiel Themen zu Wahlplakaten oder Schallplattencovern. Graphic Novels gehören zur Gattung der Comics. Comics wiederum sind aber ein recht weit gefasster Begriff. Um hier die Einordnung zu erleichtern, haben wir uns für die Graphic Novels entschieden. Da hat es in den vergangenen Jahren in der Szene viel Diskussion gegeben – und Diskussion ist Zeugnis einer lebendigen und agilen Szene. Perfekt für eine Ausstellung und einen begleitenden Wettbewerb!

Wettbewerb gibt es auch in der Druckbranche selbst, und zwar einen ganz erheblichen. Welche Faktoren machen es der Branche schwer?

Das ist eine eher pauschale Einschätzung. Insgesamt betrachtet gibt es im deutschen Markt zu viele Kapazitäten für die vorhandene Nachfrage. Wenn man das aber auf die verschiedenen Produktionsmöglichkeiten und vor allem auf die Formatklassen herunterbricht, sieht das schon ganz anders aus. Klar ist, dass sich derzeit alles und jeder um große Auflagen und Aufträge streitet. Wir haben dagegen bereits in den vergangenen Jahren unsere Nische gefunden und bedienen in dieser die Kunden in Bremen und umzu mit allem rund um Geschäftsausstattung und Kommunikationsprojekte. Und so gibt es auch bundesweit einige weitere Nischenanbieter, die sich auf bestimmte Produkte spezialisiert haben.

Und wo liegen die Potenziale?

Ganz klar erkennbar ist, dass Print im Marketingmix eine besondere Rolle spielt. Durch die vorhandene „Begreifbar”-keit lassen sich mit smarten Printmedien krasse Conversions erzielen – wenn ich meine Zielgruppe kenne und das Printmedium einzig auf ein Ziel ausrichte.

Wie steht es im Wettbewerb zwischen Print und Online: Wer hat aktuell die Nase vorn?

Die vergangenen Monate haben uns allen ziemlich deutlich vor Augen geführt, dass das eine nicht ohne das andere kann. Print funktioniert im Zusammenspiel mit digitalen Prozessen wunderbar – oder Digitales nur mit Print im Zusammenspiel. Das ist zunächst aber ein durchaus pauschales Statement und es braucht eine genau festgelegte Vorgehensweise bei einzelnen Kampagnen.

Foto: Annekathrin Gut

Bekommt Print – gerade in den äußerst digital geprägten Corona-Zeiten – eine neue Qualität? Gibt es demnächst gar eine „Renaissance“ des Drucks?

Print war immer ein fester Bestandteil von Kampagnen und wird es auch immer bleiben. Projektbudgets werden allerdings immer weiter aufgefächert und die Spendings sind für diverse, aber miteinander verzahnte Kanäle zu planen. Der oder die eine oder andere sehnt sich aber, und da hast du Recht, in Zeiten von Videokonferenzen und virtuellen Meetings und Messebesuchen nach einer Rückkehr zu Analogem. Und da kann Print ganz klar Stärken ausspielen.

Junge Menschen sind ja zunehmend Digital Natives. Warum sollten sie sich dennoch für eine Ausbildung im Druckhandwerk begeistern?

Der Volksmund sagt, Handwerk hat goldenen Boden. Das gilt genauso für eine Ausbildung im Druckhandwerk. In meinen Augen gibt es nichts besseres, als disruptive Zeiten mitzugestalten. Und das gelingt im Druckhandwerk definitiv. Tolle Kunden, die sich bei der Umsetzung von Kommunikationsvorhaben beraten lassen, sind das eine. Am Entstehungsprozess von physisch „begreifbaren“, da wiederhole ich mich gerne, Produkten mitzuwirken, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Ich kann das echt empfehlen!

Wo liegt für dich die Zukunft der Druckbranche?

Wir befinden uns mitten in der Zukunft! Es wird kommuniziert, es wird projektiert und es wird gedruckt. Weiter so!

 

Wer noch am „Battle of Print“ teilnehmen möchte: Der Teilnahmeschluss ist am 15.10.2020. Mehr Infos unter https://kv-bremen.de/.

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