Der digitale Fußabdruck – KLUB DIALOG

Der digitale Fußabdruck

Ist es noch möglich, abzutauchen? Und wollen wir das überhaupt?

In unregelmäßigen Abständen wird mir, mal mehr, mal weniger bewusst, dass ich täglich Spuren im Netz hinterlasse. Handynutzung und Co. sind mittlerweile so selbstverständlich, dass sie aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Interessant ist, dass ich bis zu meinem 18. Lebensjahr gar kein Handy hatte. Wie habe ich es bloß geschafft, mich zu verabreden oder mir unbekannte Straßen zu finden? Aber ist es überhaupt schlimm, digitale Spuren zu hinterlassen? Die Optimistin auf meiner linken Schulter flüstert mir zu, dass es kein Problem sei, weil ich schließlich nichts zu verbergen habe. Der Pessimist auf der anderen Seite sieht das etwas anders, vor allem, wenn die Daten in falsche Hände gelangen. Horrorszenarien von falschen Kreditkartenabbuchungen bis hin zu Identitätsdiebstahl entstehen in meinem Kopf. Es lohnt sich also, das Thema mal etwas genauer zu betrachten. Welche Spuren hinterlasse ich eigentlich ganz konkret? Diese Frage hat mich dazu gebracht, einen Selbsttest durchzuführen. Das Ergebnis folgt am Ende des Artikels. Nur so viel vorweg: Die digitalen Pioniere von t3n bringen es in ihren News auf den Punkt: „Der Suchmaschinendienst Google drängt schon ziemlich tief in die Privatsphäre seiner Nutzer.“

Fluch und Segen zugleich

Illustration: Natalie A. Peter

Ich empfinde die Sammlung digitaler Daten als zweischneidiges Schwert. Ich kann nicht alles verteufeln, denn seien wir mal ehrlich, manchmal ist es auch ganz schön praktisch, wenn Google uns rechtzeitig vor einem Stau warnt oder uns einen Restaurant-Tipp in unserer Nähe gibt. Aber auch wenn ich weiß, dass ein Algorithmus dafür verantwortlich ist, bin doch immer wieder ein klein wenig verwundert darüber, wenn ich auf Facebook Werbung für veganes Proteinpulver erhalte, nachdem ich kurz zuvor über Google danach gesucht habe. Ist schon etwas unheimlich, oder?

Jetzt stellt sich mir die Frage, wo die Grenze zwischen gut und böse zu ziehen ist. Wann sollten wir auch mal etwas vorsichtiger mit der Herausgabe unserer Daten sein bzw. die Speicherung der Daten bewusst verhindern? Ortungsdienste sind für mich das beste Beispiel für dieses Dilemma. Ich möchte nicht auf Schritt und Tritt unter Beobachtung stehen. Sollte ich allerdings mal einen Unfall haben, würde ich mich schon darüber freuen, gefunden zu werden.

Mein Eindruck ist, je selbstverständlicher die Nutzung digitaler Medien in unserem Alltag wird, desto toleranter werden wir auch hinsichtlich der über uns gespeicherten Daten und verschließen die Augen vor möglichen Risiken.

Wie kann man abtauchen?

Die sicherste Lösung ist die vollständige digitale Abstinenz. Das bedeutet: kein Handy, keine Internetnutzung, kein bargeldloses Bezahlen, keine Nutzung von Kundenkarten, keine digitalen Tickets für Bus und Bahn und vieles mehr. Dies ist ein extremer Schritt und man muss sich darüber im Klaren sein, dass man durch solch radikales Verhalten mittlerweile von einem Großteil des sozialen Lebens abgeschnitten ist.

Eine moderatere Möglichkeit ist die bewusste Beseitigung der digitalen Fußspuren, beispielsweise durch Entfernung von Cookies, Verweigerung von Zugriffsrechten oder die Löschung von Accounts. Da das Thema sehr komplex ist, sind hierfür Fachkenntnisse erforderlich. Eine Anleitung hierzu befindet sich unter den weiterführenden Links.

Illustration: Natalie A. Peter

Mein Selbsttest

Zum Thema Datenschutz hat sich in der jüngsten Vergangenheit einiges getan. Dank Artikel 15 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gibt es nun eine rechtliche Basis, um zu erfragen, welche Daten eigentlich von uns gespeichert sind und welchem Verwendungszweck sie unterliegen. Sehr spannend, das wollte ich ausprobieren. Da Google einer der Global-Player am Markt ist und ich ein Google-Konto besitze, wählte ich dieses als Testobjekt. Was weiß Google über mich? Dies ist mein Ergebnis:

Personalisierte Werbung: Es werden 51 Kategorien angezeigt, von denen Google ausgeht, dass sie mich interessieren. Und sie haben recht. Ich kann meine Katze, mein Interesse fürs Laufen und für Ernährungsthemen nicht leugnen. Ach ja, mein Auto will ich auch noch verkaufen. Gut, dass Du mich daran erinnerst, Google ;-).
Diese Informationen sind die Basis für meine personalisierte Werbung. Es gibt überraschenderweise die Möglichkeit, diese Funktion auszuschalten. Werbung gibt es allerdings trotzdem, nur eben nicht mehr personalisiert.

Besuchte Orte: Diese Datenspeicherung erfolgt nur über ein Android-Smartphone. Da hab ich ja nochmal Glück gehabt.

Suchverlauf: Hier sind alle meine Aktivitäten gespeichert. Da ich für meine Kurzgeschichten diverse Dinge recherchiere, dürfte sich das hieraus ergebende Profil recht interessant sein ;-).

Zuletzt verwendete Geräte: Hier werden alle Geräte angezeigt, mit denen ich meinen Google-Account nutze. Der Zeitpunkt der letzten Nutzung wird ebenfalls angegeben.

Apps mit Zugriff auf mein Konto: Keine! Es funktioniert also, den Zugriff zu verweigern.

Zusätzlich habe ich die Möglichkeit, alle über mich gespeicherten Daten herunterzuladen.

Mein Fazit

Illustration: Natalie A. Peter

Da ich weiß, dass durch Cookies und Co. Daten über mich gespeichert werden, bin ich von dem Ergebnis nicht überrascht. Es bestätigt mir aber, dass es sich durchaus lohnt, Dateneingaben kritisch zu hinterfragen. Social-Media-Posts zum Beispiel, sollten wirklich nur die Inhalte haben, die unverfänglich in privaten und beruflichen Situationen sind. Außerdem sollte man kostenlose Onlineangebote mit Vorsicht genießen. Denn: Wenn das Produkt nichts kostet, bist Du das Produkt. Dieser weit verbreitete Spruch bewahrheitet sich immer wieder, wenn man im Internet unterwegs ist.

Ich entscheide mich also dafür, kritisch zu hinterfragen und dadurch einen reduzierten Fußabdruck zu hinterlassen. Ich nutze die Vorteile, die sich für mich aus digitalen Angeboten ergeben, wohl wissend, dass ich dafür einen (Daten)Preis zahle, gebe aber nicht wahllos überall meine Daten an.

Ich tauche also nicht ab, sondern verstecke mich von Zeit zu Zeit.

Weiterführende Links:
t3n: >>>
DSGVO-Gesetz: >>>
Buchtipp: „Die Daten, die ich rief“ von Katharina Nocun

Die Autorin und die Illustratorin

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