Einfach mal unbequem sein – KLUB DIALOG

Einfach mal unbequem sein

von  Anja Rose

Schluss damit! Ehrlich. Es reicht! Seit Wochen, Monaten, ja, vielleicht sogar Jahren guck ich mir das jetzt an. Oder weg. Mache ich mit. Lasse es über mich ergehen. Sage nichts. Nöle mich durch die Zeit. Halte die Klappe. Verdrehe die Augen. Wie auch immer. Hilft alles nix. Klar. Drum. Jetzt ist es genug. Jetzt! Schluss damit! Ich rebelliere!

Ja. So. Fragt sich nur, wie genau das geht. Kriegt man ja nahezu ausgetrieben, die Rebellion. Oder besser: abgesprochen. Vor lauter Verständnis und antiautoritärer Ideen. „Eine Phase“ nennen es die Eltern, wenn man als Kind nicht will wie sie, „die Hormone“ sind Schuld am Rebellischen in der Pubertät, später dann ist es die Findungsphase, weibliche Hysterie, Sinnkrise – in jedem Fall stimmt immer irgendwas nicht, was uns zum Aufmucken bringt, meistens mit einem selbst. Also lieber wieder beruhigen und noch mal überlegen, worum es tatsächlich geht und was uns denn nun eigentlich so aus der Fassung gebracht haben mag. Eben. Gar nicht so schlimm. Lieber noch eine Tasse Tee und weiteratmen.

Rebellieren scheint aus der Mode gekommen zu sein. Die Friedensbewegung der 50er, die 68er, die Anti-Atomkraft-Proteste der 70er und 80er – alles lange her. Heute scheint es selten etwas Gutes zu sein. Dieses Widersetzen gegen Regeln, das Ablehnen des Althergebrachten, das Aufbegehren gegen Das-machen-wir-schon-immer-so. Vor allem ist es unbequem. Für die anderen, aber auch für einen selbst. Und überhaupt – wogegen sollten wir denn rebellieren? Ist nicht alles eigentlich gut, soweit, und wenn nicht, ohnehin nicht zu ändern? Manche behaupten, wir hätten das Rebellieren verlernt. Sind angepasst und, mal ganz nüchtern betrachtet: Protest kann sich ohnehin keiner mehr leisten. Wer soll das denn bezahlen? Die ausgefallenen Seminare an der Uni, die Fehlzeiten am Arbeitsplatz? Selbst die 15-Jährige seufzt: Für den Klima-Streik müsste sie auf die einzige Physik-Stunde in der Woche verzichten – „Das kann ich mir nicht leisten.“

Und geht trotzdem. Weil das Gefühl der Dringlichkeit plötzlich so groß wird. Die Welt verändern! Aufrütteln! Nicht mehr einfach nur da sitzen und so weitermachen. Schluss damit! Im Übrigen muss man dazu nicht immer laut und in Rudeln auftreten. Rebellion geht auch im Stillen. Und so oder so ist es wichtig. Wichtig, die eigenen Ideen gegen alle „Is’ aber so“ zu vertreten, blasiertes „Das steht dir nicht“ zu überhören und auf die eigene Stimme zu vertrauen. Denn es ist meine Welt. Meine Stadt. Mein Leben. Mein Hier und Jetzt. Und ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Meist finden sich Seelenverwandte. Und aus der Rebellion wird etwas Neues. Und Gutes.

Die Autorin

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