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Der Backofen für’s Weltall

Bremerhavener Lebensmitteltechnologen und Bremer Ingenieure entwickeln Brötchen für Astronauten

Wenn der deutsche Astronaut Alexander Gerst Ende April zur Internationalen Raumstation ISS startet, soll er genussvoll in ein leckeres Brötchen aus Weltraumteig beißen – entwickelt in Bremerhaven. Das Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ) im Fischereihafen stellt die richtige Backmischung für das Bremer Start-Up-Unternehmen „Bake in Space“ her, das Astronauten das Frühstück im All versüßen will.

Krümel in der Schwerelosigkeit sind gefährlich. Sie können durch die Gegend fliegen und sich an Geräten festsetzen. Deswegen setzen die Lebensmitteltechnologen vom TTZ auf ein Laugenbrötchen, das von Natur aus wenig krümelt. „Außerdem werden wir eine spezielle Enzymkombination dazugeben, um die Krümeligkeit zu verhindern“, sagt der zuständige TTZ-Forschungsleiter Florian Stukenborg.

Brot steht für Heimat
Sebastian Marcu, Geschäftsführer von "Bake in Space"

Damit Alexander Gerst bei seiner nächsten Mission nicht auf Brötchen verzichten muss, müssen die Lebensmitteltechnologen noch weitere Hürden überwinden. „Es gibt wenig Platz und viele Sicherheitsrichtlinien, die beachtet werden müssen“, sagt Stukenborg. „Zum Beispiel dürfen Astronauten keine Oberflächen berühren, die heißer als 45 Grad sind. Außerdem darf der Backofen nicht geöffnet werden, wenn er noch heiß ist.“ Denn im Weltraum droht mangels Schwerkraft die Gefahr, dass eine heiße Luftblase aus dem Ofen strömt und Astronauten sich verbrennen.

Die Brötchen müssen daher erst abkühlen, bevor ein Astronaut den Ofen öffnet. Daher dauere der Backvorgang etwa eine Dreiviertelstunde, sagt Stukenborg. Damit die Astronauten das Brötchen überhaupt schmecken, muss es außerdem salzhaltiger als auf Erden sein – schließlich ist der Geschmackssinn im All getrübt.

Der Ingenieur Matthias Boehme vom Bremer Raumfahrtunternehmen OHB baut den weltraumtauglichen Backofen dazu. Ein erster Prototyp ist schon fertig. „Der Backofen fürs All ist in etwa so groß wie eine Mikrowelle und bietet Platz für drei Brötchen“, sagt Boehme. Backen im Weltall ist alles andere als einfach. „Die Brötchen einfach auf ein Backblech draufzulegen, funktioniert nicht“, sagt Boehme. „Dann fliegen die Brötchen durch die Gegend.“ Daher haben sich die Entwickler des Raumfahrtunternehmens eine Art Käfig für die Backwaren überlegt. Auch für die Haltbarkeit der Backware müssen die Köpfe noch rauchen. Zusammen mit fünf Kollegen tüftelt Boehme den Backautomaten aus. Die Experten vom TTZ liefern das Knowhow, was zum Brötchenbacken unter Weltraumbedingungen benötigt wird.

Matthias Boehme vom Unternehmen OHB (links) und Sebastian Marcu von Bake in Space zeigen den Backofen für’s Weltall.

Bake-in-Space-Geschäftsführer Sebastian Marcu will mit dem Produkt einen Beitrag dazu leisten, dass die Astronauten mehr Lebensqualität haben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt habe bereits großes Interesse an dem Projekt signalisiert. Ein frisches Brötchen ist schon etwas anderes als monatelang nur gefriergetrocknete Astronautenkost aus Tüten.

Die Idee für das Weltall-Brot hatte Marcus Kollege, der Raumfahrtingenieur Neil Jaschinski, als er in den Niederlanden an einem Ort arbeitete, wo er keinen Zugang zu frischem Brot hatte. „Wie sehr müssten das erst Astronauten vermissen?“, fragte er sich. Das aufbackbare Laugenbrötchen ist aber nur der erste Schritt. Langfristig will Marcu dahin kommen, dass Brötchen komplett im All hergestellt werden können – bis hin zum Getreideanbau.

Dieser Artikel ist erstmals erschienen in der Nordsee-Zeitung am 13.09.2017.

Denise von der Ahé

Denise von der Ahé ist Redakteurin im Bremer Büro der Nordsee-Zeitung. Sie liebt Geschichten über Politik und Menschen. Sie findet: Kreative Ideen entstehen am besten beim Brainstorming im Team und an außergewöhnlichen Orten.

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