KLUB GÄNG #5 – Reportage

Wie funktioniert das eigentlich… mit dem Feuer löschen?

Was tun, wenn es brennt? Die KLUB GÄNG nimmt die Feuerwehr Bremen genau unter die Lupe und findet heraus, wie es hinter den mauern der Feuerwache 1 aussieht.

„Was willst du denn später einmal werden?“ Häufig stellen Omi, Onkel oder Freundin der Mama diese Frage. Nicht selten kommt eine Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Ich will Feuerwehrmann werden!“ 

Die Feuerwehr ist unser Retter in der Not, immer da, wenn etwas Schlimmes passiert. Soviel ist bekannt. Aber was die KLUB GÄNG am 19.1.2019 alles zu hören und bestaunen bekam, war ein ganz tiefer Einblick in den Alltag der Feuerwehr, der viel größer ist, als man es sich eigentlich vorstellt.

Heiko Warnke von der Feuerwehr öffnet das Tor und führt die KLUB GÄNG durch jeden Winkel der Wache und lässt keine neugierige Kinderfrage unbeantwortet. 

610 Feuerwehrleute hat die Feuerwehr Bremen im aktiven Einsatz. Dabei nicht nur der berühmte Feuerwehrmann, auch Feuerwehrfrauen sind dabei- in Bremen gibt es tatsächlich die meisten Feuerwehrfrauen! Damit wird schonmal gleich das Gerücht beseitigt, dass die Feuerwehr nur etwas für Jungen wäre, nichts da, nicht mit den Bremern!

Dann das erste Staunen: Die Arbeitsschicht unserer Helden beginnt morgens um 7.00 Uhr und dauert ganze 24 Stunden! Einen Teil des Tages sind sie unterwegs als Sanitäter, einen weiteren Teil wechseln sie dann ihre Kleidung und sind als Feuerwehrleute auf den Bremer Straßen. Denn Feuerwehrleute können beides! 

Die Feuerwache wird in diesen Stunden zur WG. Denn hier wird gekocht, gegessen, geschlafen, gelebt. Es gibt einen Aufenthaltsraum, auch das ein oder andere Gesellschaftsspiel. Denn wenn der Alarm einmal ruhig bleibt, die Einsatzfahrzeuge gereinigt und auf dem neuesten Stand gebracht wurden, sind die Feuerwehrleute zwar immer parat, dürfen aber auch einmal kurz ihre Füße zur Entspannung hochlegen. 

Die KLUB GÄNG besichtigt zuerst die Fahrzeughalle. Eigentlich voll mit unterschiedlichsten Einsatzwagen, standen hier gerade mal zwei Stück, die auch noch von der Freiwilligen Feuerwehr stammten. Was war hier los? 

Heiko berichtet, dass gerade in der Nacht ein Boot im Europahafen brannte und seit dem alle Einsatzwagen und Feuerwehrleute dort vor Ort sind. Deshalb ist auch die freiwillige Feuerwehr Lehesterdeich nun hier, denn eine Feuerwehrwache darf natürlich nicht leer und unbesetzt sein. 

Für die KLUB GÄNG wird ein Einsatzwagen genau auseinandergenommen. Was alles in so einen Wagen passt ! Neben Schläuchen, Anschlüssen, Sauerstoffflaschen, Zangen, Leitern und so viel anderem Werkzeug auf kleinstem Raum hat jeder Einsatzwagen auch rund 1.600l Wasser mit dabei. Damit kann man ohne Probleme und weitere Wasseranschlüsse ein Auto oder einen Wohnwagen löschen. Die Kids dürfen einmal eine Sauerstoffflasche hochheben- oder es zumindest versuchen, denn sie wiegt rund 25kg. Auch die anderen Werkzeuge, die es auf dem Einsatzwagen so gibt, wiegen unbeschreiblich viel. Es wird klar: Die Feuerwehrleute brauchen erstmal eines: Eine Menge Kraft. Die Sauerstoffflasche hält 20-30 Minuten. Das ist die Zeit, in der die Feuerwehrleute mitten drin stehen können, dann muss getauscht werden. 

Und wie weiß man eigentlich, ob es allen Feuerwehrleuten selbst im Einsatz gut geht und sie nicht verletzt sind? Dafür gibt es einen pfiffigen Trick: Der Totmannschalter wird aktiviert, wenn sich die Feuerwehrleute in die Gefahr stürzen und passt auf, dass sie in Bewegung bleiben. Denn wenn sie einige Minuten bewegungslos stehen, fängt er an zu piepen. So hören die Kollegen, wenn etwas nicht stimmt, und können sich gegenseitig helfen, wenn mal etwas schief geht. Sollte man also mal die Feuerwehrleute im Einsatz beobachten und einer fängt an, sich etwas zu schütteln, dann will er gerade nur dem Totmannschalter mitteilen, dass es ihm gut geht. 

Dann erfährt die GÄNG, was die Feuerwehrleute denn überhaupt alles machen. Feuer löschen, ist klar. Auch die berühmte Rettung der Katze aus dem Baum ist Teil ihrer Arbeit. Aber ein großer Einsatzbereich sind Autounfälle, bei denen geholfen werden muss. Der Umgang mit gefährlichen Gütern, das Auspumpen von vollgelaufenen Kellern, das Sichern und Freiräumen der Straßen bei Stürmen, die Liste ist endlos lang.

Und die Ausstattung reicht neben dem Löschfahrzeug, das jeder von den Straßen kennt, noch viel weiter. Ein Rüstwagen, der vielerlei weitere Ausstattung mit sich fährt, Löschboote, die auch zu Wasser einsatzbereit sind oder Gerätewagen, die für ganz spezielle Bereiche ausgestattet sind. 

Und was, wenn es im Hochhaus brennt? Dafür gibt es ein ganz spezielles Gefährt, den Drehleiterwagen. Diese Leiter kann Gebäude in 30 Metern Höhe erreichen. Dann kann ja wirklich nichts mehr schief gehen. 

Die Feuerwehr hat nicht schon immer Feuerwehrwagen, es gab ja auch eine Zeit vor dem Auto. Damals standen in dieser Wache Kutschen. Angetrieben von echten Pferdestärken, denn Pferde brachten die Feuerwehrleute damals an ihren Einsatzort. Daran erinnern Fotos, die in der Wache hängen.

Wie oft fährt die Feuerwehr in unterschiedlichsten Notfällen im Jahr so raus? Gute Frage, und bei der Antwort bleibt einem die Spucke weg. Satte 80.000 Mal ist die Feuerwehr im letzten Jahr ausgerückt. Da reichen die zwei eigenen Hände zum nachrechnen schon lange nicht mehr. 

Aber hier lässt sich eigentlich was machen. 

Denn wenn man den Notruf wählt, darf man nicht vergessen: Es geht um Notfälle. Wegen einem Schnitt im Finger sollte man lieber selbst zum Arzt gehen. Denn leider ist es mittlerweile so, dass die Feuerwehr gerufen wird, auch wenn es sich um Problemchen statt um Probleme handelt. 

Aber zurück zu den Feuerwehrleuten. Die müssen ja fit sein für ihre Einsätze, damit sie wirklich helfen können. Und um das regelmäßig zu checken, gibt es in der Wache 1 eine Atemschutzüberwachungsstrecke, in der alle Feuerwehrleute ein mal im Jahr zeigen, was sie können. Die KLUB GÄNG testete Teile dieser Strecke und allein zu Beginn, am ›Hammer‹, hatten die Kinder ziemlich zu kämpfen. Ein Zugband an schwerem Gewicht, dass 30 Mal gezogen werden muss. Die Kids konnten sich zum Teil an den Griff hängen, ohne dass sich etwas bewegt hätte. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes schwer. Dann gibt es den Leiterraum, in dem unterschiedlich hohe, unterschiedlich geformte Leitern stehen, die beklettert werden müssen. Ein enger Gang muss durchkrochen werden und ganz am Ende geht´s dann nochmal an den Hammer. 

Vielleicht sollte man erwähnen, dass die Feuerwehrleute all das mit Atemschutzmaske und -flasche durchlaufen, also locker 25kg auf dem Rücken und die schwere Kleidung natürlich dazu.

Am Ende durfte die KLUB GÄNG noch in die Schaltzentrale der Feuerwehr Bremen: In die Leitstelle! Hier sitzen ununterbrochen Menschen an nie still stehenden Telefonen, um den Ablauf all der sechs Feuerwachen in Bremen zu koordinieren. Wie genau das funktioniert, wurde an einem Beispiel nachgespielt. Der Kollege der Leitstelle führte mit einem Kind der KLUB GÄNG ein Gespräch mit all den Fragen, die im echten Notfall gestellt werden. 

Wo ist der Notfallort? Was ist passiert? Ist noch jemand in dem brennenden Haus? Ist jemand verletzt? Die Disponenten an den Telefonen lotsen jeden durch den Anruf, um schnellstens herauszufinden, wie die Feuerwehr helfen kann. Dann werden die richtigen Fahrzeuge und Feuerwehrleute rausgeschickt. Damit ist es nicht getan. Durch Funk ist man weiter mit den Einsatzwagen verbunden, gibt Krankenhäusern Bescheid, wenn jemand zu ihnen gefahren wird. Hier gibt es eine lückenlose Begleitung der Einsätze und es werden die richtigen Strippen gezogen, damit die Feuerwehrleute am Notfallort ideal arbeiten können.

Am Ende muss man sagen: Hut ab! Die Feuerwehr ist der Retter in der Not, und dafür ist die KLUB GÄNG sehr dankbar. Und nun, da man einen Blick in die heiligen Hallen werfen durfte, spürt man neben der großen Dankbarkeit noch mehr. Begeisterung, denn die Leidenschaft all der Feuerwehrleute ist ansteckend und man fragt sich: Werde ich vielleicht auch Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau, wenn ich groß bin?

Die KLUB GÄNG sagt lautstark Danke! 
An Michael Richartz, an Heiko Warnke und all die 
anderen Menschen der Feuerwehr Bremen und 
der Freiwilligen Feuerwehr.
Der Tag bei euch war einmalig!

Die nächste KLUB GÄNG #6 findet am 30. März 2019 statt, Informationen befinden sich ›hier‹, die vollständige Fotogalerie ›hier‹.

Du willst zur Feuerwehr? Hier findest du eine knackige Zusammenfassung, was Feuerwehrleute alles können:

Wach bleiben:
Eine Schicht dauert 24 Stunden, in denen sie die ganze Zeit einsatzbereit sein müssen

Stark sein: Allein die Sauerstoffflasche wiegt 25kg, aber die anderen Werkzeuge sind nicht weniger schwer. Und die Kleidung selbst ist auch nicht gerade leicht.

Fit sein: Man braucht nicht nur starke Muskeln, auch der Rest des Körpers muss fit sein. Laufen, Klettern, schwimmen und vieles mehr darf kein Problem sein.

Ruhe bewahren: Eine verletzte Person, ein Autounfall, ein brennendes Haus, man muss schnell reagieren und entscheiden, was es zu tun gibt.

Medizinisch fit sein: Ob Kreislaufprobleme oder Herzinfarkt, hier muss schnell reagiert werden und dem Patienten geholfen, wenn nicht sogar das Leben gerettet werden.

Gut Auto fahren: Ob als Sanitäter oder Feuerwehr, ein Einsatzort muss in spätestens 12 Minuten erreicht werden. Und das am besten, ohne selbst einen Unfall zu bauen.

Team Player: In Einsätzen ist nie eine einzelne Person, es rückt immer ein Team aus. Man muss sich absprechen, man muss sich blind verstehen. Damit jeder in kurzer Zeit weiß, was zu tun ist.

Reden ist gold: Häufig haben Feuerwehrleute mit verängstigten, panischen und verletzten Menschen zu tun. Man muss beruhigen, man muss deutliche Anweisungen geben, man muss trotz Ausnahmesituation vernünftig mit den Menschen umgehen.

Handwerklich begabt sein: Um die Ausbildung als Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau machen zu können, braucht man eine abgeschlossene Ausbildung in einem handwerklichen Beruf.