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Wohin mit dem Abwasser?

Milliarden von Menschen haben kaum Zugang zu sanitären Anlagen. Die Bremer Organisation BORDA hilft ihnen

In Europa wurden im 19. Jahrhundert großflächig Kanalisationen gebaut. Dafür mussten sich die Städte teilweise hoch verschulden, doch von diesen Errungenschaften profitieren wir heute nach wie vor in hohem Maße. Über den Gang auf die Toilette spricht man nicht – es geht dabei um ein unappetitliches Thema und doch stellt es in so vielen Regionen der Erde ein elementares Problem dar. Rund 2,4 Milliarden Menschen haben keinen Abwasserzugang und daraus ergeben sich viele Probleme: Durch das Hygienedefizit kann es zu einer schnellen Verbreitung von Krankheiten und Seuchen kommen, auf der anderen Seite ist der Gestank nur schwer auszuhalten und die Entsorgung der Fäkalien ist schwierig.

Doch das Problem muss angegangen werden, und schweigen hilft den Betroffenen sicher nicht. Die UN hat die Sustainable Development Goals (SDG) ins Leben gerufen und möchte nun in 17 Bereichen bis 2030 erhebliche Fortschritte erreichen. Das sechste Ziel beschäftigt sich mit dem Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen. Hier soll der Zugang deutlich verbessert werden und somit viele Folgeprobleme ausgeschlossen werden. Wer sich einen Überblick über die SDGs der UN verschaffen will, kann dies hier tun: Sustainable Development Goals.

©BORDA

Es gibt viele Stiftungen, Organisationen und Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind und versuchen die Situation zu verbessern. Eine dieser Organisationen ist BORDA e. V. (Bremen Overseas Research & Development Association), die ihren Hauptsitz in Bremen hat und über Regionalbüros in Tansania, Indien, Afghanistan, Indonesien und Mexiko verfügt.

BORDA hat eine Technologie entwickelt, mit der über ein dezentrales System Abwasser gefiltert werden kann. Diese System funktioniert dabei auch noch wie eine Biogasanlage und es kann so sogar  bei dem Prozess der Abwasserentsorgung Energie erzeugt werden. So ist es möglich, dass das Abwasser einer Schule durch diese Anlage läuft, dabei gefiltert wird und am Ende gereinigtes Wasser für die Bewässerung von Feldern rauskommt. Dabei ist es dann auch noch möglich durch die erzeugte Energie die Schulküche mit Energie zum Kochen zu versorgen. Auch im Bereich FSM (Fecal Sludge Management) gibt es Modelle die zu einer Verbesserung der Umstände führen, indem die Fäkalien von einem Tankwagen abgesaugt werden. Für die Umsetzung solcher Vorhaben arbeitet BORDA mit Partnern vor Ort zusammen.

©BORDA-Alasdair Jardine

„Wir bei BORDA arbeiten dafür, dass die sanitäre Grundversorgung in vielen Ländern verbessert wird, zum Beispiel durch den Bau von dezentralen Abwassersystemen“, berichtet Christoph Sodemann, der für die PR-Arbeit bei BORDA zuständig ist. Rund 2,4 Milliarden Menschen leben in solchen unhygienischen Verhältnissen und das ist eine Hauptursache für gefährliche Krankheiten. „Als wir in Europa die Kanalisationen gebaut haben, stieg nach Schätzungen unsere Lebenserwartung um 25 bis 30 Jahre“, erklärt Sodemann.

„Wichtig ist für die Zukunft, dass Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen, um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umzusetzen und so das Problem zu auf lange Sicht zu lösen“, so der BORDA-Experte. Engagieren könne sich eigentlich jeder. „Es gibt zum Beispiel das weltwärts Programm (www.weltwaerts.de), wo man ein Jahr in der Welt Freiwilligenarbeit leisten kann und dort gibt es auch meist um die zehn Plätze von BORDA. Aber auch die Unterstützung von Organisationen, die sich im WASH-Sektor – Water, Sanitation, Hygiene – engagieren, ist natürlich möglich“, sagt Christoph Sodemann.

Neben BORDA engagiert sich auch die Bill & Melinda Gates Foundation stark auf diesem Gebiet, sowie das Projekt Viva Con Agua aus Hamburg. Viele Akteure haben erkannt, dass in der Abwasserthematik eine Quelle voller Probleme steckt und es wird interessant sein, in der Zukunft zu beobachten, inwiefern die gesteckten Ziele umgesetzt werden können. Es ist eine sensible Thematik, die in vielen Ländern auch kulturell geprägt ist, sodass hier eine neue Umgangsform zu kultivieren sicher nicht einfach wird. Dennoch sind einige Modelle durchaus vielversprechend.

Für weitere Informationen rund um das Thema: www.borda.de

Über den Autor:

Florian Krüger studiert im zweiten Semester Kommunikations- und Medienwissenschaften. Er hat den Verlag jung & geistreich mitgegründet und schreibt als freier Journalist für den Weser-Kurier. Der Jungautor hat 2015 auf der KLUB DIALOG-Bühne seinen Roman vorgestellt.

KLUB DIALOG SCHREIBWERKSTATT

Die KLUB DIALOG SCHREIBWERKSTATT ist eine Zusammenarbeit mit den Studenten der Medienstudiengänge der Universität Bremen und des Medieninstituts ZeMKI.

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