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Viertes Tischgespräch 2012

"Wir sind hier doch in einem Dialog, oder nicht?!“

Am vergangenen Mittwoch, den 04.07.2012, kamen insgesamt elf Kreative zum vierten KLUB DIALOG TISCHGESPRÄCH in diesem Jahr im Wilhelm Wagenfeld Haus zum gemeinsamen Abendbrot im geselligen Ambiente zusammen. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte der Tisch im Innenhof gedeckt werden und es wurde bei Vogelgezwitscher an der lauen Sommerluft angeregt diskutiert.


Die Runde wurde an diesem Abend  von Katharina Günther, Raumplanerin, moderiert und gestaltet, Unterstützung bekam sie dabei von Sonja Pösel als Gastgeberin des Wilhelm Wagenfeld Hauses. Eingeladen waren Rainer  Kriesche-Radtke, selbstständiger Innenarchitekt und ehrenamtlich bei der Gruppe Innenarchitekten Nord aktiv,  Anja Rose, freie Texterin, Julia Ledergerber, Raumplanerin bei Popo, Architektin und Gestalterin, Anika Verbrügge, Goldschmiedin, Mirco Dalos, Diplom Kameramann  und in den Bereichen Musik, Medien und Kunst unterwegs, Agnes Pawlak, selbstständig mit eigener Vermittlungsagentur und ehrenamtlich bei Go Ahead! aktiv, Yvette Deseyve, Kustodin im Gerhard Marcks Haus, Kathrin Bahr, Selbstständige im Bereich, Text, PR und Übersetzung, mit eigener Agentur für Künstlervermittlung im Bereich Straßentheater und Bettina Thormann-Salomon, Architektin und Stadtplanerin im Atelier für Architektur.


Bereits vor der ersten offiziellen Begrüßung seitens unserer Moderatorin, wurde sich angeregt unterhalten und interessiert nach Profession, Alter und weiteren Informationen gefragt. Getränke wurden gereicht, das Gelächter hallte an den Wänden des Innenhofes hinaus in den noch strahlend blauen Himmel und dann wurde auch schon hungrig zugeschlagen und bei Farmersalat, Käse-, Wurst- und sommerlicher Obstplatte sowie vermeintlichem Schokoladen-Leberwurst-Pasteten-Nachtisch die Vorstellungsrunde um die Schilderung der einzelnen Tagesabläufe ergänzt.

Die Vorstellungsrunde verlief zum ersten Mal in abwechselnder Reihenfolge – frei nach dem Ping-Pong Prinzip, wurde immer brav die Richtung verändert. Bei dem schönen Wetter, hatten einige in Arbeitspausen die Sonne genossen, ob mit Eis, Kaffee oder Erdbeeren. Es schien ebenfalls ein allgemeiner Waschtag zu sein, mal mit Unterstützung der Kinder, mal alleine, selbst der Ziegenbock wurde einer Waschkur zur Pilzbekämpfung unterzogen. Es war eine heitere Runde mit interessanten Einblicken: Kuriose Anfragen für Männer in Pferdeverkleidung, gehäkelte Fliegen für Mobilees, Entwurf einer Wunderkammer oder die Therapie von Ziegen mit Schüssler Salzen, die Erzählungen waren alle unterhaltsam, abwechslungsreich und sorgten für eine angenehm, entspannte Atmosphäre. Arbeitsproben wurden rumgereicht und Interesse an möglichen Kooperationen wurde auch schon angedeutet. Da wir uns bereits draußen an der Luft befanden, wurden keine Zigarettenpausen oder ähnliches eingelegt, nur um den Weg auf die Toilette zu finden brauchten einige ein sicheres Weggeleit durch den Irrgarten des Wilhelm-Wagenfeld-Hauses, samt der grünen Kontrollkästchen.


Ist Freiheit ein Grund für die Selbstständigkeit?
Man nimmt als Selbstständiger nicht einfach immer alle Aufträge an, da sind sich alle einig. Es sollte im besten Fall nicht nur aus ethischen Gründen vertretbar sein, sondern auch die Chemie mit dem Gegenüber spielt beim kreativen Arbeiten eine große Rolle. Sich für nichts zu schade sein, ist zwar ein praktischer Ansatz, aber da werden die Grenzen ganz individuell gesteckt. Als Vegetarierin fällt es z.B. schwer für einen Wurstverkäufer zu arbeiten. Hat man auch als Angestellter die Freiheit, Sachen abzulehnen oder kommt das auf die Hierarchie des Betriebes an? Es liegt wohl bei jedem selbst, mit welchen Strukturen man besser umgehen kann. Angestellt zu sein bietet auch gewisse Sicherheiten, da muss man sich nicht ständig wieder auf die Suche nach etwas Neuem machen. Das Salz in der Suppe bei der Selbstständigkeit ist allerdings, dass man Gedanken völlig frei entwickeln kann.


Netzwerke und Konkurrenzgedanken
Mit wem arbeitet man eigentlich zusammen und wie gut sind wir tatsächlich alle vernetzt? Viele Dinge gehen über persönliche Kontakte nun mal leichter und es ist hilfreich nicht immer nur im eigenen Saft zu garen. Netzwerke knüpfen und aufrechterhalten ist das A&O für Kreative. Für die einen ist es hilfreich, sich innerhalb der eigenen Branche zu vernetzen, für die anderen geschickter mit anderen Disziplinen zu kooperieren. Da scheint Bremen offener zu sein als andere Orte. Die Angst vor Ideenklau scheint weniger verbreitet zu sein und man tauscht sich und seine Erfahrungen gerne aus. Man will ja auch niemandem etwas wegnehmen, man hat schließlich auch etwas anzubieten. Hier herrschen jedoch auch ganz unterschiedliche Voraussetzungen: die einen haben kaum Konkurrenz, die anderen dafür umso mehr. Die Bremer sind zwar offen, aber doch auch sehr norddeutsch – man muss erst mal beweisen was man kann und im besten Falle ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln, um sich von den anderen abzuheben.


Kultur = kostenlos?
Wie viel sind Leute eigentlich bereit für Kultur auszugeben? Der freie Zugang zur Bildung liegt natürlich allen am Herzen, aber wie weit darf man gehen? Hier wird gleich ein Unterschied zwischen Kultur und kreativem Arbeiten gemacht: man kann keine Äpfel mit Birnen vergleichen! Für bestimmte Sachen sollte man sich engagieren, auch wenn man dafür kein Geld bekommt, allerdings muss auch die Miete am Ende des Monats bezahlt werden und solche Freiheiten wollen erst mal erarbeitet werden. Trotzdem sind doch die Strukturen hier falsch – wenn man mit einer Sache Geld verdienen will, werden einem Steine in den Weg gelegt, bei einer Fehlbedarfsförderung ist von vornherein ausgeschlossen, dass man damit dann zumindest über die Runden kommt. Die meisten sind sich einig, dass man auch mal für weniger Geld arbeiten kann, wenn z.B. das Thema oder Projekt besonders spannend ist oder man für den Kunden eine angepasste Finanzierung ermöglicht. Dennoch wird nicht akzeptiert, dass generell eine geringe Entlohnung als normal angesehen wird. Die Einstellung, dass „Kreative“ doch wegen der Sache arbeiten und nicht um Geld zu verdienen scheint sehr überholt. Der Idealismus von Menschen, die in der Kultur arbeiten wird überstrapaziert!


Fazit
Auch als es bereits dunkel wird und man trotz Kerzenschein kaum noch das Gesicht des Gegenübers erkennen kann, wird noch in gemütlicher Runde zusammengesessen und sich ausgetauscht – für uns ein Zeichen für ein gelungenes Tischgespräch. Die ersten verabschieden sich, nach und nach nähert sich der Abend dem Ende. Es war ein schöner Abend, man hat neue Menschen kennengelernt und gänzlich Neues erfahren: von Wandabwicklungen bis hin zu Einhandhebelmischergarnituren.
Wir freuen uns schon jetzt auf einen weiteren Abend im Innenhof des Wilhelm-Wagenfeld-Hauses.


Wer Interesse hat, ebenfalls an einem Tischgespräch teilzunehmen, einfach unter tischgespraech@klub-dialog.de anmelden und eine Einladung zu einem der Abende 2012 sichern. 

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