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Spielen mit Plan

Die Getoq Training and Media GmbH vermittelt wichtige Kompetenzen an ihre Kunden – und zwar spielerisch

Mithilfe von Planspielen werden Kunden in verschiedenen Bereichen wie Projektmanagement oder Informationssicherheit von Trainern geschult. Ich habe mich mit Getoq Gründer Joachim Beck zusammengesetzt, um einen Blick auf das Spielen in der Berufswelt zu werfen.

Joachim, warum nutzt deine Firma Planspiele zur Vermittlung von Kompetenzen?

Joachim Beck: Zum einen kann man mit Planspielen komplexe Sachverhalte häufig sehr einfach darstellen und zum anderen hilft der spielerische Aspekt dabei, Leute für bestimmte Sachen zu begeistern und Interesse zu wecken. Da wird der Spieltrieb im Menschen geweckt! Dazu kommt, dass man in Planspielen viele Erfahrungen sammelt, die im realen Leben oftmals viel Geld kosten. Man kann also quasi „Probehandeln“ und aus der Simulation lernen. Das sind Gründe, weshalb dieses Format der Planspiele für uns als Erwachsenenbildner sehr interessant ist, da es die Leute viel mehr mitnimmt, als der klassische Classroom mit Beamer und Folien es tut.

Wann und mit welcher Motivation hat die Getoq mit Planspielen angefangen?

© GETOQ TRAINING AND MEDIA GMBH

Joachim Beck: Gute Frage. Ich bin Psychologe und war der Meinung, dass man neben den „soften“ Themen auch etwas bräuchte, das man anfassen könnte. Deshalb haben wir 1997 damit angefangen, passende Planspiele zu suchen und einzusetzen. Später haben wir selbst Planspiele entwickelt. Zum Beispiel projactivity®, unser haptisches Planspiel für Projektmanagement ist seit mehr als 10 Jahren sehr erfolgreich auf dem Markt.

Könnte man die Kompetenzen nicht auch Online vermitteln? Was macht das Spielen vor Ort wichtig?

Joachim Beck: Das Allerwichtigste beim Spielen vor Ort ist das Soziale! Es ist nicht nur ein individuelles Lernen, sondern ein soziales Lernen in der Gruppe. Wir nutzen eine spezielle Form der Planspiele, und zwar haptische Planspiele. Diese werden nicht digital vermittelt, sondern man sitzt am Tisch und hat vor sich das Board, die Spielmaterialien,die Karten eben die Haptik und spielt dann in der Gruppe und gewinnt so gemeinsam Erkenntnisse und bildet Meinungen innerhalb der Gruppe zu Spielsituationen. Die Wissensvermittlung vor dem Computer, wenn du da alleine sitzt, das ist reine Wissensvermittlung. Das Verbinden des Wissens mit dem Leben und mit anderen Menschen, das passiert beim sozialen Lernen und das machen Planspiele möglich.

Nehmen die Spieler das generell gut auf, oder gibt es auch Spielmuffel unter den Teilnehmern?

© GETOQ TRAINING AND MEDIA GMBH

Joachim Beck: Wir haben mittlerweile tausende Teilnehmer bei unseren Planspielen gehabt und es gab bisher nur ganz, ganz wenige Muffel. Manche haben gesagt, das Spielen sei nicht so für sie, aber meistens sind sie dann doch in den „Sog“ des spielerischen Umgehens mit den Themen hineingekommen. Es gibt meiner Meinung nach ganz wenige Menschen, die ernsthaft kein Interesse am Spielen haben. Es gibt in der Pädagogik den Begriff des „Homo Ludens“, des spielenden Menschen, denn das Spielen ist Teil des Lebens und das auch nicht nur für Kinder, sondern auch das Erwachsenenleben wird oft durch Spiel geprägt. Sei es durch Gesellschaftsspiele oder durch soziale Spiele, vielen liegt es, so Neues zu lernen. Ich habe auch das Gefühl, dass die meisten unserer Seminarteilnehmer sehr froh sind, dass es diese Art des Lernens ist und nicht ein klassischer Vortrag oder ein Webinar.

Ist das Spielen bei einem Seminar auch schon einmal richtig schiefgelaufen?

Joachim Beck: Ja, es gab einmal die Situation, dass sich eine Teilnehmergruppe nicht auf das Szenario des Planspiels einlassen konnte. Es war etwas zu weit entfernt von deren Realität und deren Leben. Ansonsten sind die größten Schwierigkeiten bei den Planspielen, dass man immer mehr oder weniger erfolgreich sein kann. Wir sagen immer „Macht bitte Fehler, denn dann lernt man am meisten.“ Das ist aber nicht immer für alle gleichermaßen gut. Manch einer, der sich innerhalb des Planspiels in einer komplexen Situation falsch entschieden hat und dann mit den Konsequenzen konfrontiert wird, schätzt das nicht und kann damit nicht gut umgehen. Dennoch nimmt er die Erfahrung mit nach Hause und wird sie verarbeiten. Ich hatte in all den Jahren nur ein Seminar, bei dem ich tatsächlich sagen würde, dass das nicht gegriffen hat, was aber hauptsächlich gruppendynamische Gründe hatte. Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Menschen am Ende doch froh sind, wenn sie solche Erfahrungen gemacht haben.

Was würdest du sagen, ist der schönste Teil bei Planspielen? Sowohl für die leitenden Trainer, als auch für die Teilnehmer?

Getoq Gründer Joachim Beck

Joachim Beck: Was für mich als Trainer sehr erfüllend ist, ist wenn ich merke, dass die Teilnehmer sich vollkommen in dem Planspiel verlieren und sie sozusagen „im Flow“ sind bei der Bearbeitung der Themen. Da denke ich mir immer: Wir haben hier etwas richtiggemacht, dass die Teilnehmer so tief in diesem Planspiel sind, dass sie dieses fast wie die Realität wahrnehmen, das ist richtig schön!

Was für die Teilnehmer ganz schön ist, ist dass sie oft über Erkenntnisse stolpern, von denen sie nie gedacht hätten, dass sie diese Erkenntnisse machen würden. Wenn sie dann so grundsätzliche Muster im Denken hinterfragen und erkennen und dann diese „Aha-Momente“ mit nach Hause nehmen, das ist immer gut. Sehr schön ist es, wenn man eine Teilnehmergruppe nach einem Jahr wiedertrifft und diese dann über das Planspiel redet, als sei es gestern gewesen. Dann merkt man, dass da richtig was hängengeblieben ist. Diese kleine Kunstwelt, die es möglich macht, gefahrlos Fehler zu machen, das ist das was die Teilnehmer nachhaltig daran schätzen.

Möchtest du zum Abschluss noch etwas zum Thema Planspiele sagen, was dir auf dem Herzen liegt?
Joachim Beck:
Ja, wir leben in einer Welt in der die Themen Spielen und Gamification ganz groß sind und immer mehr digitale Spiele rauskommen und auch das Thema innerhalb von Unternehmen größer wird. Dennoch finde ich, dass die Unternehmen in Deutschland sich noch mehr den didaktischen Möglichkeiten der Planspiele öffnen könnten. Ich würde mir wünschen, dass der Ernst des Spielens und der Nutzen für die Kompetenzentwicklung stärker wahrgenommen wird.

Also würdest du gerne die Unternehmen zum Spielen ermutigen?
Joachim Beck:
Absolut! Und eigentlich spielen alle gerne. Auch die Vorstände!

Weitere Informationen: https://www.getoq.de/planspiele | https://projactivity.de/

Tobias Lappe

schreibt sporadisch Texte, redet regelmäßig in einem Podcast über Musik und liebt Bremen täglich.

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