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„So arbeite ich am besten!“

Tipps für Weltverbesserer und die, die es noch werden wollen

Die Welt mit seiner Arbeit ein bißchen besser machen – das ist gar nicht mal so einfach. Denn obwohl jeder von uns sicher auf Anhieb kräftig nicken würde bei der Frage „Möchtest Du Cola trinken, die nach ökologischen und nicht nach ökonomischen Gesichtspunkten hergestellt wird?“ oder „Sollte die Gesellschaft nicht mehr über Depressionen erfahren, damit Betroffene es einfacher haben?“, so schwer haben es die Initiatoren solcher Ideen dann doch oft, wenn es um die konkrete Umsetzung geht. Wenn Unterstützer gesucht werden, Lieferanten zum Umdenken bewegt werden sollen oder der Familie erklärt werden muss, warum man für vergleichsweise wenig Einkommen vergleichsweise viel Herzblut, Zeit und Kraft in ein Projekt steckt.

Zunächst hilft da das gute Gefühl, etwas Relevantes zu tun. Mehrwerte für andere zu schaffen, die nicht in Geld zu messen sind. Doch auch diese tiefe Überzeugung gerät in der Regel irgendwann einmal ins Wanken:“Wofür tue ich das eigentlich alles? Bringt das überhaupt etwas?“ Gerade weil der typische Weltverbesserer häufig nur in einem Mikrokosmos etwas verändern kann und auf Nachahmer angewiesen ist. Ein aktuelles Beispiel ist das Engagement der Frauen hinter „Original Unverpackt„, die von einem Supermarkt träumen, der nahezu auf alle Verpackungen verzichten kann. Seit einem Jahr arbeiten sie Tag für Tag daran, ihre Idee in die Tat umzusetzen. Wie kräftezehrend dies manchmal für das Start-Up ist ist, war jüngst in einem Artikel der Süddeutschen zu lesen: „Das Team fährt alle Wege ab, die am Ende in ihren Supermarkt führen könnten. Sie schauen sich Immobilien an, verhandeln mit Lieferanten, testen Backmischungen und Behälter, die Kunden später kaufen oder sich leihen können, um die Ware nach Hause zu transportieren. Da gibt es auch immer wieder Enttäuschungen zu verkraften, und manchmal sind sie so erschöpft, dass sie vor dem Computer einnicken. Zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf.“ Aufgegeben haben sie bislang aber nicht und vermutlich werden sie es auch nicht tun. Am Ende eröffnen sie vermutlich ihren verpackungsfreien Supermarkt – doch ob daraus die wünschenswerte Bewegung wird, die in andere Teile Deutschlands und in die Köpfe der Menschen schwappt? Diese Sicherheit können Sara Wolf und Milena Glimbovski nicht als Antrieb fürs Weitermachen nutzen.

Gerade Weltverbesserer brauchen eine Atmosphäre, in der sie besonders gut vorankommen. In der die Motivation eher multipliziert als im Keim erstickt wird. In der sie andere von der Notwendigkeit ihres Vorhabens überzeugen können. Kurz gesagt: In der sie – ihrer persönlichen Interpretation nach – am besten arbeiten.

Ich wollte in diesem Monat von Euch wissen, was ihr unter einer guten Arbeitssituation verstehen – ganz unabhängig, ob es ums Weltverbessern oder einfach nur um ein gutes Make-up für ein Werbe-Shooting geht. Sechs Antworten sind eingetrudelt:

In welcher Situation arbeitest Du am besten?

  • „Ich glaube, dass ich dann am Besten arbeite, wenn ich mich gut vorbereiten konnte und mit dem was Ich gerade tue, wohl fühle. Wenn ich z.B. merke, dass ich mit meiner Kundin auf einer Wellenlänge bin –  wenn ich sehe, wie Ihre Augen zu leuchten beginnen, weil ich es schaffe, Ihre Vorstellungen und Wünsche umzusetzen. Dann fällt die Nervosität von mir ab und ich arbeite freier… Ich denke, das macht mich dann besser.“

    Femke Schuh ist Diplom-Visagistin und lebt in Hamburg.

    Femke Schuh

  • „Ich arbeite am besten, wenn die „Chemie“ mit dem Kunden stimmt und sich daraus im Laufe der Zeit mehr Vertrauen entwickelt.Erst auf dieser Basis erfahre ich dann oft von Problemen und freue mich, wenn ich dem Kunden eine entsprechende Lösung anbieten kann. Der Wunsch, diese Lösung auch im eigenen Interesse zu finden, ist die größte Motivation und dann arbeite ich besonders gerne.“

    Jochen Kerkhoff ist Bezirksleiter der Nestlé Professional GmbH. 

    Jochen Kerkhoff

  • „Als Sozialpädagogin habe ich täglich mit Kindern zu tun, die es in ihrem jungen Leben nicht immer leicht gehabt haben. Ihnen zu helfen, sie zu unterstützen, das ist mein Job, aber auch meine Herzensangelegenheit. Und so arbeite ich in den Situationen am besten, in denen ich mit den einfachsten Dingen (einem offenen Ohr, einem Anruf…) das Leben dieser Kinder ein wenig leichter machen kann. Für glückliche Kinder lohnt sich diese Arbeit, daher arbeite ich in diesen Situationen einfach am effektivsten!“

    Katja Westphal arbeitet als Sozialpädagogin in Ostfriesland.

    Katja Westphal

  • „Als Geisteswissenschaftler brauche ich eigentlich nur zwei Dinge: Zeit und Ruhe, um mich mit einem Problem konzentriert beschäftigen zu können. Die Freiheit, dasjenige zu erforschen (und auch zu lehren), was mich selbst interessiert, habe ich als Universitätsprofessor. Leider nehmen die Verwaltungsaufgaben immer mehr überhand: Gremiensitzungen, interne Kommunikation, das Korrigieren von Klausuren und Ähnliches mehr beansprucht einen großen Teil des Arbeitstages. Wenn ich mein Pflichtgefühl überreden kann, einen Tag lang nicht in die E-Mails zu schauen oder ans Telefon zu gehen: dann finde ich die Muße, die es braucht, um einen Gedanken zu Ende zu denken oder einen Satz so zu formulieren, dass er stehen bleiben kann. Ganz wichtig ist daher die vorlesungsfreie Zeit. Da kommt man manchmal sogar ein paar Tage hintereinander zum Arbeiten und macht mit etwas Glück auch Fortschritte bei den wirklich kniffeligen Fragen.“

    Jochen A. Bär ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Vechta und Leiter der dortigen Arbeitsstelle für Sprachauskunft und Sprachberatung

    Prof. Jochen Bär

  • „Es sind ganz unterschiedliche Situationen, in denen die Ideen sprudeln. Mal ist es die Stille ganz früh morgens und die erste Tasse Kaffee in der Hand, der Austausch mit anderen und das Ping-Pong-Spiel mit der Idee, aber auch Experimentieren und Verwerfen … und eine große Portion Musik.“

    Sabrina Krämer ist Grafikerin und Illustratorin. Einen Teil ihrer Arbeiten sind unter dem Label „binenschmiede“ zusammengefasst.

    Sabrina Krämer

  • „Am besten arbeite ich, wenn die Hütte brennt!“

    Eva-Maria Oelker kredenzt in ihrem Neustädter Café „Radieschen“ leckere Kuchen und Erinnerungen. 

    Eva Radieschen

Die einen brauchen also Zeit und Ruhe, die anderen ordentlich Trubel und wieder andere arbeiten am besten, wenn sie Menschen um sich herum haben, die ihnen ein Feedback geben, das Lust auf mehr macht.

Wie sieht es bei Euch aus? Was ist Euer Katalysator, der den schöpferischen Motor so richtig auf Hochtouren bringt? Und wenn er dann richtig lauf – welchen Teil der Welt würdet Ihr dann besser machen wollen?

Sandra Lachmann

lebt in Bremen, liebt Blogs und leitet ihr eigenes PR-Büro.

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