HANSE IDEEN

HANSEATISCHE IDEEN IM- UND EXPORTGESELLSCHAFT

KLUB DIALOG gibt es auch für Unternehmen aus anderen Branchen. Die ‚Hanseatischen Ideen Im- und Exportgesellschaft‘ bietet als Erlebnisdienstleister ein Abendformat rund um Themen, die Betriebe interessieren.

Teambuilding und Innovationstransfer – interdisziplinär und unterhaltsam präsentiert: Was denkt ein Taumacher über verwickelte Seilschaften im Betrieb? Was lehrt ein Orchestermusiker zum Zusammenklang im Team? Wie löst ein Slam- Poet den Kommunikationsstau durch Kauderwelsch?

Unternehmen, die kreative Prozesse in Arbeitsroutinen integrieren wollen, können von den Erfahrungen des KLUB DIALOG-Teams profitieren.

www.hanse-ideen.de

Juni 2015

Bremerhaven

eine Rede von Sönke Busch

Sönke Busch, freier Redner und Schriftsteller, hat sich mit der Stadt Bremerhaven befasst und seine Gedanken zu diesem Ort beim KLUB DIALOG on the Beach im Weser-Strandbad mit uns geteilt:
Hier gibt es Sönkes Worte für Euch noch einmal zum Nachlesen:

Bremerhaven

Vielen Dank, dem Klub Dialog und der Stadt Bremerhaven für die Einladung zum heutigen Abend.

Es ist mir immer noch kein Leichtes, etwas über Bremerhaven zu sagen. Ich versuchte es letztes Jahr in ebendiesem Rahmen, ganz unbeholfen ist mein Blick also nicht mehr. Doch immer noch sitze ich im fernen Bremen, mit gebührendem Abstand zu dieser kleinen und schätzenswerten Stadt am Meer.

Dieser Stadt, die unter dem seltsamen Umstand zu leiden hat, dass sie, dem Namen nach, nur ein Hafen zu sein scheint, obwohl es, wie es scheint, dereinst den schönen Namen “Wesermünde” trug. Stelle man sich vor, Bremen, der Fatzke, würde in heutigen Zeiten auf die Idee kommen, Posthausen in “Bremeneinkaufszentrum” oder Walle in “Bremenmülldebonie” umzubenennen.

Aber da sind wir auch schon in dem Bereich, der die Außenwahrnehmung Bremerhavens recht passend definiert. Bremerhaven hat ein Faible dafür, sich winzig klein zu machen. Das tut die Stadt Bremen zwar auch, aber verpasst es nicht, am Ende eines jeden Satzes noch heimlich zu sagen, wie großartig es eigentlich doch ist.

In Bremen heißt es immer: “Klar, wir haben kein Geld, und seltsam und schweigsam sind wir auch, natürlich ist das alles ganz blöd, aaaaaber”, gefolgt von einem leisen, doch hörbaren: “eigentlich sind wir doch großartig!”

In Bremerhaven hört man: “Klar, wir haben kein Geld, seltsam und schweigsam sind wir auch, wissen wir, aaaaaaber:…………………………….” Bremerhaven ist ein Abbild dessen, was in vielen, vielen Regionen in Europa passiert, wenn ein Teil von Hoffnung geht und die Menschen der Meinung sind, es gäbe nicht mehr viel zu wollen. Plötzlich entsteht ein seltsamer Stolz darauf, dass es schlecht ist, dass es einem schlecht geht und dass es kein Entkommen gibt. “Hoodpride” heißt es so in den USA. Wer sich einmal die regionale Rapmusik als aktuellsten und erfolgreichsten Gradmesser der Jugend anschaut, ist erschüttert wie die Bremerhavener Jugend von ihrem Zuhause spricht.

Nun ist es schwierig, in einer Stadt, die sich in Teilen dem Defätismus und dem Stolz auf die eigene Hoffnungslosigkeit hingegeben hat, Neues zu erschaffen. Wer kennt nicht das Gefühl, in seiner unaufgeräumten Wohnung zu stehen, nach dem Besen zu greifen, nur um sich dann zu denken: “Ach, was soll‘s, wird doch eh wieder dreckig.” Es geht mir in Bremen oft nicht anders.

Doch großartige Arbeit wird hier in Bremerhaven geleistet. Ich hatte in den letzten Wochen das Glück, Anne Schmeckies, die Macherin der Galerie Goethe45 in der Goethestraße in Lehe kennen zu lernen. Mag die Goethe45 auch nur eine kleine Galerie sein, sind es doch Menschen wie Anne, die tatsächlich einen Unterschied machen können. Hier in Bremerhaven, wie auch überall anders, da wo die Probleme und Sorgen überhandnehmen, geht es darum, Menschen zu begeistern. Ihnen zu zeigen, dass es eine Welt außerhalb der alten Denkstrukturen gibt. Möglichkeiten der Hoffnung.

Und für nichts anderes steht Bremerhaven. Das weiß ein jeder, der nur einmal im Auswandererhaus war oder am Hafen auf das Meer geschaut und in Richtung New York gedacht hat. Wie viele Menschen hier schon waren und von einem anderen Morgen geträumt haben.

Natürlich ist in Bremerhaven nicht alles schlecht, und das Phänomen der Sorge um das eigene Morgen haben wir auch in Berlin, in Frankfurt oder Hannover. Wer sich aber genau hier in Bremerhaven vorstellt, was es bedeutet im Angesicht einer neuen Idee auf den Rest seines Lebens zu blicken, der kann es fast fühlen.

Nun waren es andere Zeiten, zu denen die großen Auswandererwellen durch Bremerhaven gingen und vielleicht ist es an der Zeit, den Blick weg vom Meer, weg von der Ferne, zurück ins Innere zu lenken. Auf die neuen, inneren Küsten, die es zu erreichen gilt, um zu wachsen.

Wir treffen uns heute Abend hier im Zeichen neuer Ideen. Und wenn ich an Bremerhaven und neue Ideen denke, muss ich dann doch kurz an André Gide denken: Man kann keine neuen Ufer entdecken, ohne die alten Küsten aus den Augen zu verlieren. Es ist nicht wirklich möglich, etwas Neues zu schöpfen, ohne etwas anderes dabei zurückzulassen. Das mag im ersten Moment bedrohlich klingen, nach Verlust und verlieren, aber das ist es nicht. Einer Idee zu folgen, für die man brennt, ist das beste Werkzeug, um die Dinge zurückzulassen, die es ohnehin nicht mehr brauchte.

Neue Ideen tragen viel Gutes in sich. Nicht zuletzt die Tatsache, dass sie erst mal umsonst sind. Eingetretene Pfade, sei es in Wirtschaft, sei es in Kunst, Kultur oder Konsum, kosten Geld. Aus dem einfachen Grunde, dass sie bereits bekannt sind und man sich ziemlich sicher sein kann, dass sich bereits jemand anderes überlegt hat, wie es möglich ist mit bereits bekannten Dingen und Ideen Geld zu verdienen.

Die Gedanken sind frei, schrieb Hoffmann von Fallersleben dereinst. Das stimmt grundsätzlich. Wollten wir das übersetzen, bliebe zu sagen:
“Thoughts are free.”
Und auch das stimmt.

Das Beste an Gedanken und den Ideen, die eben diesen Gedanken entspringen, ist, dass sie vollkommen umsonst sind. Sie kosten nichts. Das ist ein ganz herrliches Gefühl. Wenn sie jetzt einmal kurz in ihren Kopf herein hören, auf die kleine Stimme hören, die sie immer weiter vorantreibt, dann machen sie sich eins klar: Das ist alles vollkommen umsonst! Sie tragen in ihrem Kopf die ausgefeilteste und wundersamste und vielleicht leistungsstärkste Konstruktion, die das bekannte Universum bis heute hervor gebracht hat. Und: Um Himmels Willen, sie können sie benutzen! Exklusive! Für was auch immer sie wollen! Jeden Tag, vierundzwanzig Stunden! Wenn es gut läuft für achtzig Jahre!

Und nicht nur das. Sie können diese Maschine dort oben in ihrem Kopf jederzeit programmieren, wie auch immer sie wollen. Die Programmiersprache ist zwar verdammt schwierig, aber so spätestens mit Mitte Dreißig hat man sie eigentlich ganz gut raus und kann ihr Aufgaben stellen. Nur um es noch einmal zu betonen: Das Ganze für vollkommen umsonst. Einfach den fünf Sinnen irgendwas zum sehen, hören, schmecken, fühlen oder riechen geben und schon geht‘s los. Einfach mal abwarten. Am Schluss steht unter Garantie eine Idee. Dann braucht es noch ein bisschen Mut, aus diesen Gedanken Realität werden zu lassen und, et voilà, haben wir etwas, mit dem wir arbeiten können.

Am heutigen Abend geht es um genau die Menschen, die diesen Schritt schon getan haben. Die ein Werkzeug gefunden haben, um ihre Idee Materie werden zu lassen. Die es geschafft haben, von diesem kleinen “Momentchen! Warte mal! Das könnte etwas sein!” – Moment in eine Form zu kommen und heute, hier auf der Bühne, anderen Menschen davon erzählen zu können. Allein das ist ein hohes Gut.

Wer von Fachkräftemangel spricht, schaut zu kurz. Der eigentliche Mangel besteht in Fachideen. Und der Stoff, aus dem neue Ideen gemacht sind, ist Mut. Mut ist in erster Linie eine Frage der Erziehung und des Umgangs miteinander. Ein nahezu wahnsinniger Teil guter Ideen findet nie den Weg aus den Köpfen. Die großen Verhinderer auf diesem Weg sind die eigene Angst und die Erfahrung von Ablehnung.

Lange Zeit waren hier im Norden die Worte Künstler und Spinner nicht so positiv das, was sie heute, meist im urbanen Raum sind. “Das ist auch so ‘n Künstler” galt als Beleidigung. Das ist eine klassische konservative Abwehrhaltung zur Verhinderung neuer Ideen, neuer Ansätze, neuer Wege. Denn natürlich: Neues ist immer Bedrohung für das Alte, das Bekannte, das Funktionierende. Neues macht dem Alten Angst.

Vollkommen zu Unrecht. Wer Angst vor Veränderung hat, der hat im Leben irgendetwas grundsätzlich nicht verstanden.

Nun wäre es möglich zu sagen, Bremerhaven wäre ein schrecklicher Ort für Neues. Die Einstellung “Es ist wie es ist” ist unglaublich gemütlich und meist tief da verwurzelt, wo die Probleme den Menschen über den Kopf wachsen. Ich sehe das anders.

Orte wie Bremerhaven sind für mich das perfekte Spielfeld für Neues. Dort, wo das Alte geschwächt ist und in Teilen nicht mehr funktioniert, dort ist der Ort an dem Neues eine große Chance hat. Je weniger die Menschen eines Ortes denken, dass sie noch etwas zu verlieren hätten, umso größer ist die Chance für diejenigen, die etwas verändern wollen.

Und genau das ist der Grund, warum wir uns hier und heute getroffen haben. Ein Kreis von Menschen, die sich Ideen, die sich Neues trauen. Hier am Wasser mit dem Blick nach vorne, hier wo schon so viele Menschen wussten, dass sie ein großes Morgen erwartet, gemacht aus Mut und der Idee, dass es immer nur ein kleiner erster Schritt ins Wundervolle und Unbekannte ist, der vielleicht eines Tages Großes verändern wird.

Viel Spaß heute Abend.
Danke sehr.

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Juni 2015

KLUB DIALOG on the Beach – frischer Wind aus kreativen Unternehmen

HANSE IDEEN auf Exkursion in Bremerhaven

Dass Bremerhaven eine bedeutende Seestadt des Nordens ist, wissen viele. Aber nur Wenigen ist klar, dass die schöne Stadt an der Wesermündung auch einiges im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft zu bieten hat. Um dies zu ändern, bittet der KLUB DIALOG gemeinsam mit der !mpulsflut des bis Bremerhaven am Dienstag, 23. Juni, fünf schöpferische Bremerhavener auf die Bühne.

Ab 19 Uhr erwartet Euch im Weserstrandbad Bremerhaven eine Flut an Kreativität und Inspiration, denn es werden Ideen, Projekte und Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen präsentiert. Vielfalt pur, die auch durch Sönke Busch unterstrichen wird. Und als wäre das alles nicht genug, bietet der angrenzende Strand eine berauschende Atmosphäre zur Entspannung und zur weiteren gedanklichen Auseinandersetzung mit den Themen des Abends. Da bei so viel Tiefgang leicht mal der Kopf zu überhitzen droht, stehen erfrischende Softdrinks und nach den Vorträgen auch feinstes Grillgut zur Stärkung bereit – und zwar umsonst!

Unsere Bühnengäste:

Kopfgeflüster

Herzblut ist im übertragenden Sinn zwar mit Leidenschaft gleichzusetzen und bezeichnet ein tiefes Gefühl, doch ist es irgendwie auch mehr als das. Dieses Mehr empfinden auch Stefanie Brockamp und Stefanie Schröder, wenn sie im Namen ihrer Werbeagentur "Kopfgeflüster" kommunikative sowie gestalterische Konzepte entwickeln, die das Besondere eines Unternehmens hervorheben sollen.  http://www.kopfgefluester.info

KeramikWerkstatt Bremerhaven

Sie sind schön, sie sind bunt, sie sind außergewöhnlich und modern: In ihrer Keramikwerkstatt gestaltet Angela Färber hochwertige Töpfereien für draußen und drinnen. Dabei verlässt sich die Bremerhavenerin allein auf ihr handwerkliches Geschick. Technische Hilfsmittel kommen ihr nicht auf den Tisch. Ob Tassen, Schüsseln oder Gartenschmuck – in jedem Fall entstehen so individuell gefertigte Unikate.  http://www.keramikwerkstatt-bremerhaven.de

Cookasa

Gemeinsames Kochen verbindet, das ist Fakt. Doch warum sollte man diesen Umstand nur mit Familie und Freunden ausnutzen? Das haben sich auch André Wollin und Kersten Scholz gefragt. Mit Cookasa haben die beiden Freunde eine Kochbewegung initiiert, die bunt zusammengewürfelte Menschen in privaten Küchen vereint und ihnen ganz nebenbei die Kunst des Kochens näherbringt. Foto: Jannis Dirksen http://www.cookasa.com/de

Bremerhavens Segelmacher

Einerseits ist er wetterbeständig und reißfest, andererseits schwer und sperrig: Der Stoff, den das Team der Segelmacher aus Bremerhaven verarbeitet, weist so allerlei Eigenschaften auf. Gerade deshalb lässt er sich auch für die unterschiedlichsten Zwecke verwenden. Ob als Schiffssegel, Tasche oder aber Tischset – die Segelmacher verbinden Näherei mit Kreativität und stehen auf Recycling und Umweltschutz. Foto: Martina Buchholz http://www.bremerhavens-segelmacher.de

edition Schwarzarbeit

Man muss ihn schon mögen, diesen Geruch nach Lack, Lösungsmittel und Colophonium. Sandra Jakobs tut dies in jedem Fall, denn die freischaffende Künstlerin ist Radiererin. Mithilfe der Tiefdrucktechnik schafft sie einzigartige Grafiken, denen man nicht unbedingt ansieht, dass sie in einem langatmigen Prozess erstellt wurden. Seit 2015 befindet sich unter dem Dach der edition Schwarzarbeit nicht nur eine Werkstatt, sondern auch eine Ferienwohnung. Foto: Frank Wassmann http://www.edition-schwarzarbeit.de

Sönke Busch

Der Schriftsteller und freie Redner Sönke Busch nimmt uns erneut mit auf eine philosophische Reise in der er uns die Welt aus seiner ganz eigenen Sicht erklärt. Mit seiner Stimme verbindet er Inhalt und Text und schafft so eine besondere Sicht auf die Realität. https://soenkebusch.wordpress.com/

Die Fotos der Veranstaltung findet Ihr hier

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