KLUB Reise #4

 

In Bremen gelingen uns Zeitreisen. 

Komplett ohne gegenläufige Laserstrahlen, Wurmlöcher oder den Fluxkompensator von Marti McFly. Denn während der Held aus „Zurück in die Zukunft“ eine Zeitmaschine brauchte, kommen wir nur mit einem Reisebus mindestens bis nach übermorgen.

Was uns abheben lässt, sind die bahnbrechenden Ideen von Bremer Startups und Neugründern. Sie zeigen uns, dass wir nichts so akzeptieren müssen, wie es ist. Dass es immer noch besser, nachhaltiger, schneller oder authentischer werden kann. Mit ihrer Dynamik und Unangepasstheit formen sie eine Zukunft nach ihren Vorstellungen. Und weil wir es kaum noch abwarten können, bis sie real wird, suchen wir heute schon den „Schnee von morgen“.

CHARAKTER.STÜCK

Unsere erste Station ist das Büro von CHARAKTER.STÜCK. Hier befindet sich die Kommandozentrale einer groß angelegten Fahndung … nach unseren neuen Lieblingsprodukten! CHARAKTER.STÜCK bereitet eine Bühne für alles, was von teuren Werbespots, bekannten Marken und Massenproduktion ins Abseits gedrängt wurde. Zu Unrecht, denn direkt vor deiner Haustür werden viel mehr originelle Alternativen hergestellt als du denkst. CHARAKTER.STÜCK findet sie: Die lokalen Handwerksbetriebe und Manufakturen, die nachhaltigen Produktionen und hochwertigen Rohstoffe, die Einzelstücke und echten Originale. Auf ihrer Suche offenbaren sie nicht nur Waren, Läden und Locations sondern auch Überzeugungen und Lebenswege. Denn Produkte, die mit so viel Liebe zum Detail hergestellt werden, bringen eine Geschichte mit. Von echten Typen und ihren Herzenssachen. Heike Mühlendorfer, Fiona Littke und Katharina Janzen reichen Kostproben der leckersten Charakterstücke und spielen mit uns Jenga. Dann brausen wir weiter…

Nur Manufaktur

… zur Nur Manufaktur, denn auch hier hat man ein Herz für Handgemachtes! Vanessa Justs Store im „City-Lap“ ist eine Schatztruhe für echte Bremikate: Aus zahlreichen Bremer Manufakturen findet man hier Feinschmeckerprodukte, Mode, Accesoires, Deko, Schreibwaren, Souvenirs und, und, und.

Wir tauchen ein, in die Suche nach neuen, einzigartigen Artikeln, Geschenken und Sammlerstücken. Mit jeder Menge Leidenschaft und der richtigen Spürnase gründete Vanessa im Alleingang zunächst einen Online-Shop für handgefertigte Delikatessen und im letzten Jahr dann den eigenen Laden zum analogen Stöbern. Bei beidem bleibt Vanessa Strippenzieherin und übernimmt Werbung, Verkauf, Verpacken, Produktauswahl und vieles mehr. Der Online-Shop bleibt weiterhin handgecrafteten Lebensmitteln aus ganz Deutschland vorbehalten, der Store hingegen zieht bald um und sucht sich in der Bischofsnadel neue, kreative Nachbarn.

Celluveyor

Positioniersystem, omnidirektionale Räder, zellulare Fördertechnik… Auweia, da stellt sich mir die Frage: Werde ich das alles verstehen? Technik, Software, Technik… Aber dann führt uns Hendrik Thamer von ›celluveyor‹ in die Hall of Evolution! Das verschlägt erstmal die eigene Sprache und lenkt von der aufkommenden Panik ab.

Dann steht da ein Förderband. Und man sieht die Pakete darauf … tanzen? Das ist kein simples Förderband, das ist Kunst! Die Reisegäste stürzen sich auf die sich bewegenden Pakete und die Augen leuchten genauso wie der kleine blaue Regler, der einem jeden erlaubt, selbst einmal die Pakete fahren zu lassen. Und schon geht die Post ab- im wahrsten Sinne des Wortes!

Celluveyor ist ein Startup, das die Otto-Normal-Förderbänder der Welt revolutioniert. Nix mit schnödem links und rechts, hier können die Pakete in 360° nahezu überall hin! Die drei omnidirektionalen Räder sind in 120° zueinander auf den sechseckigen Modulen angebracht- logisch, jetzt macht es Sinn! Dank dieser kleinen Kraftpakete kann in jede noch so erdenkliche Richtung transportiert werden. Und dahinter steckt natürlich auch noch eine ganze Menge Köpfchen- die passende Software, die für die richtigen Tanzschritte sorgt, ist made by ›celluveyor‹. Sie schaffen damit ein Fördersystem 4.0- wenn das mal nicht die Zukunft ist!

myEnso 

Norbert Hegmann, Geschäftsführer vom Startup myEnso, träumt von einer Utopie: Er will den perfekten Online-Supermarkt. In diesem Supermarkt sollen nicht mehr die teuersten Markenprodukte auf Augenhöhe stehen, sondern nur noch die Lieblingsprodukte von uns, den Kunden, am einfachsten zu erreichen sein. 

Wie wär’s zum Beispiel mit einem freiem Marktplatz, in dem es lauter regionale Produkte gibt, diese eine Limonade, die man im Urlaub getrunken hat und den Lieblings-Fairtrade-Saft von Alnatura? Gar keine Utopie, meint die myEnso-Community und macht sich ans Werk. Per „Wünsch-dir-was“-Button entwickeln die Pioniere nicht nur ein neues Sortiment. Sie entscheiden auch über Datenschutz, Hersteller, Vertrieb, neue Features für die Seite und werden Teilhaber in Form einer Genossenschaft. Der erste von Kunden konzipierte Supermarkt soll bald nach ganz Deutschland liefern und ist bereits mit ersten analogen Foodtrucks unterwegs. Für unsere KLUB REISE steht schon einer bereit und zeigt das spezielle Sortiment. Und im myEnso-Büro selbst sind wir bereits mittendrin in der Konzeption des Supermarktes von morgen. Endlich wieder alle Macht dem Konsumenten?  

Bremen NEXT

Wir kennen Sie bisher so: Ein Bass, der auf den Brustkorb drückt, zappeln in den Beinen vom hiesigen Beat und viele F*´s, SCH*´s und A*´s im Vokabular, die einem das schamhafte Rot in die Wangen treiben. Aber NEXT ist nicht nur frech und laut- sie sind auch bodenständig, amüsant und nie um einen kecken Spruch verlegen – sie sind die young generation.

Hier wird klassische Musik höchstens mit fettem Beat gemixt. Aber neben dem eigenen musikalischen Stil will NEXT noch viel mehr. Sie wollen junge Menschen erreichen, unsere Stadt greifbar machen und zeigen, wo etwas abgeht- die geile Party am nächsten Wochenende, aber auch der „Heiße Scheiß“ von morgen. Der Wissensdurst der HörerInnen wird in so ziemlich jedem Bereich gestillt.

Am Ende vermitteln sie vor allem eines: Nehmt eure Zukunft in die eigene Hand! Neben den entspannten NEXTlern Felicia, Stunnah und June, die uns auf unserer Reise begleitet haben, durften wir zum Abschluss des Abends noch mal das echte, wahre und wirkliche Studio betreten. Hier will man Knöpfe drücken (am liebsten die roten) und ins Mikro pusten um zu schauen, ob es vielleicht doch angeschaltet ist und man selbst „on air“. Ein Spielplatz für jeden, dem eine Radio Station nicht aus dem täglichen Gebrauch bekannt ist. Und NEXT wäre doch nicht NEXT, wenn es am Ende für einige noch ordentlich was abzuräumen gäbe. Also bekam Vanessa von der Nur Manufaktur einen Slot in der montäglichen Morning-Show. So funktioniert das mit dem Netze spinnen.

Und weil Schleichwerbung verboten ist, erwähnen wir hier nicht, dass das Radio mittlerweile nebenher auf UKW 96,7 mitwschwingt.

So endet der Abend tiefenentspannt und voll mit neuen Anregungen, Ideen und Visionen aus der Zukunft. Es wird Zeit, wieder in das ›heute‹ zurückzureisen, mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen: Denn wir wissen schon: Das ›morgen‹ hat es in sich! In diesem Sinne „Bismo“! 

Fotos: Frank Pusch (NORDAUFNAHME)
Reisetagebuch: Franci Trybull, Carolin Paar
Reiseleitung: KLUB DIALOG e.V., BEGIN- BremerExistenzGründungsInitiative