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Mit Hightech abtauchen

Mit Virtual Reality-Brillen werben Bremer Forscher für Korallenschutz

Korallenriffe auf der ganzen Welt bleichen aus. Auch das größte Korallenriff der Erde, das Great Barrier Reef vor der nordaustralischen Küste, leidet unter der Korallenbleiche. Verursacht durch die globale Klimaerwärmung sind nach Angaben der James Cook University in Townsville, Queensland, zwei Drittel des Riffs von diesem Phänomen betroffen. Eine einzigartige Unterwasserwelt ist bedroht. Korallen bleichen, wenn sie Stress ausgesetzt werden, wie zum Beispiel durch einen Wassertemperaturanstieg. Dann stoßen die Korallen die farbgebenden Algen ab, die sie mit Nährstoffen versorgen. Die Folge ist, dass die Korallen kränkeln oder absterben. Aber nicht nur die Klimaerwärmung schadet den Riffen, auch die Überfischung und Meeresverschmutzung belasten diese fragilen Ökosysteme. Für viele liegen tropische Riffe jedoch in weiter Ferne, wodurch das Bewusstsein für dieses Problem bei einer breiten Öffentlichkeit fehlt.

Auch in Bremen machen Wissenschaftler auf das Korallensterben aufmerksam. Die Hansestadt ist Heimat von drei marinen Forschungsinstituten, die weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt sind. Eines davon ist das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT). Seit seiner Gründung 1991 forscht das Institut über tropische Küstenökosysteme, deren Schutz und ihre nachhaltige Nutzung. Am ZMT forschen nicht nur Meeresbiologen, sondern zum Beispiel auch Ökonomen und Sozialwissenschaftler. Manchmal kommen Schulklassen zu Besuch, um etwas über die Probleme tropischer Meere und ihrer Küsten zu lernen. Das Ziel ist, auf Gefahren aufmerksam zu machen.

Doch wie bringt man Schülern ein Korallenriff näher, die vielleicht noch nicht einmal Bilder davon gesehen haben? Die Antwort des ZMT lautet: Virtual Reality. Hierbei handelt es sich um eine computergenerierte Umgebung, in welcher sich der Träger einer sogenannten VR-Brille bewegen kann. Mit diesen etwas klobigen Brillen kann man dann in die Virtualität abtauchen. Sie reagieren direkt auf Kopfbewegungen, so dass der Träger sich in der virtuellen Umgebung umsehen kann.

Abtauchen zu den Riffen dank Virtual Reality © ZMT

Das Projekt begann als Arbeit eines Doktoranden, der ein vereinfachtes Modell eines Riffs mit nur wenigen Tier- und Pflanzenarten erstellte. Dieses basierte unter anderem auf Daten echter Korallenriffe vor Sansibar. Bei diesem Modell konnte man bereits schädigende Einflüsse einspielen, wie zum Beispiel die Folgen eines Wassertemperaturanstiegs. Das Modell bildete das Riff und seine Flora und Fauna nur sehr schematisch ab. Auf diese Weise ist aber eine Vorläuferversion des virtuellen Korallenriffes entstanden. Es war für eine breite Öffentlichkeit allerdings noch ungeeignet und das wollten die Wissenschaftler ändern.

So durfte der (nun ehemalige) IT-Azubi des Instituts an die Sache ran: Mithilfe von kurzen Videos und verschiedenen Bildern von tropischen Riffen als Vorlage programmierte dieser eine farbenfrohe Unterwasserwelt, in die man mit einer Oculus VR-Brille abtauchen kann. Unterstützt wurde er durch die Riffökologen des ZMT. Es entstand eine viel anschaulichere Variante des virtuellen Riffs, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres Meere und Ozeane auf der MS Wissenschaft, einem tourenden Ausstellungssschiff, gezeigt wurde. Erst im Mai dieses Jahres stellten Mitarbeiter des ZMT das virtuelle Riff auch auf der Re:publica in Berlin vor, eine der wichtigsten digitalen Messen in Europa.

Das virtuelle Riff begann als Forschungsprojekt und ist nun auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Susanne Eickhoff, tätig in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Instituts, erklärt, dass man in Zukunft gerne beides erreichen würde.

© ZMT

Das Riff orientiert sich zwar an echten Vorbildern, aber in Zukunft soll es auf realen Daten basieren. In die Animation sollen dann schädigende Einflüsse eingespielt werden können. So könnten verschiedene Szenarien durchgespielt werden. In dieser Form wäre es dann auch für das Küsten- und Riffmanagement einsetzbar, um erkennen zu können, wie sich ein Korallenriff unter verschiedenen Einflüssen entwickeln würde. Allerdings werden für die Weiterentwicklung noch Gelder benötigt. Bis dahin wird das VR-Riff als Exponat auf Ausstellungen genutzt, um auf die Schönheit, aber auch die Gefährdung der Korallenriffe aufmerksam zu machen.

Zur Autorin: Lea Wulf studiert im Hauptfach Politikwissenschaft. Sie interessiert sich für Innovationspolitik, Social Entrepreneurship und Smart City-Konzeptionen.

 

KLUB DIALOG SCHREIBWERKSTATT

Die KLUB DIALOG SCHREIBWERKSTATT ist eine Zusammenarbeit mit den Studenten der Medienstudiengänge der Universität Bremen und des Medieninstituts ZeMKI.

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